Samstag, 19. Mai 2012

todesmelodie

Ein trauriges, komisches und zugleich beklemmendes Gefühl, wenn man die letzte Seite eines letzten Werkes in den Händen des Autors seines Herzens hält und den Buchdeckel schlussendlich zuklappt.

Es geht um Todesmelodie. Dieses Werk konnte Andreas Franz nicht vor seinem Tod beenden. Daniel Holbe wurde vom Verlag angefragt, er hat intensiv daran mitgearbeitet. Somit konnte dieses Buch schlussendlich doch veröffentlicht werden.

Mir ist wichtig zu sagen: ich als intensive Andreas-Franz-Leserin habe nicht gemerkt, ob und ab wann bzw. an welchen Stellen Daniel Holbe übernommen hat. Chappeau!

Zum Klappentext meines Buchexemplars:

Die Frankfurter Kultkommissarin ist zurück.

Eine Studentin, die grausam gequält und ermordet wurde...

Ein Tatort, an dem ein berühmter Song gespielt wird...

Ein Mörder, der vor nichts zurückschreckt...

Ein Fall für Julia Durant!

Ebenfalls ein weiterer Klappentext:

Gleich der erste Fall nach ihrer Rückkehr in den aktiven Dienst verlangt Julia Durant, die immer noch unter dem Trauma ihrer Entführung leidet, wieder alles ab: In einem WG-Zimmer wird eine Studentin aufgefunden. Sie wurde grausam gequält und schließlich getötet, am Tatort läuft der Song „Stairway to Heaven“. Verbissen ermittelt das K11 die mutmaßlichen Verdächtigen, und das Gericht verurteilt sie zu hohen Haftstrafen. Zwei Jahre lang wähnen sich alle in dem Glauben, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wurde. Doch dann taucht ein weiterer toter Student auf, und wieder spielt dasselbe Lied …

Meine Meinung:

Ein weiteres Werk, welches mich positiv wie natürlich auch negativ überrascht und in seinen Bann gezogen hat. Wobei ich natürlich betonen muss, dass es nicht Andreas Franz' bestes Meisterwerk in meinen Augen ist.

Gerne möchte ich meine Gedanken dazu festhalten.

Mir macht es nichts aus, wenn ein Täter von Beginn an bekannt ist und dessen Name genannt wird. Ein guter Autor schafft es auch dann, die Spannung zu halten und die Dinge aus Sicht des Schuldigen zu schildern. Franz schafft es immer wieder, mich mit tiefen Abgründen dieser Menschen festzuhalten. Ich bin dann immer wieder erschüttert und werde mir oft bewusst, dass es genau solche Leute unter uns gibt.

Auch hier weiss man schnell, wie die Dinge gelaufen sind bzw. man kann es erahnen. Es bleibt jedoch spannend und gegen Ende kommt dann eine plötzliche Wende und die Kommissare werden ein weiteres Mal auf das Härteste geprüft!

Jedoch kam bei mir das Gefühl nicht rüber, dass es wirklich eine überzeugende Leistung von Franz war. irgendwie kam es mir so vor, als wolle er langsam mit der Kultfigur Durant zu Ende kommen. Ich persönlich finde, es gab schon etliche bessere Geschichten von und mit ihr.

Todesmelodie ist kein hartes oder schwerverdauliches Thema im eigentlichen Sinne. Es wird eine krasse Sache angesprochen, ich habe jedoch schon tiefere Abgründe mit Franz miterleben dürfen. Da ging es um Drogen- und Sexualringe (Prostituierte, Kinder,...) und man bemerkte, wie intensiv der Autor da recherchiert hatte.

Wer weiss, vielleicht nahm Andreas Franz die Drohungen wahr (es wurde immer wieder davon berichtet, wie er anscheinend auf die Probe gestellt wurde) und wollte sich und seiner Familie zu Liebe ein wenig Abstand davon nehmen. Wobei ich es natürlich genial fand, wie sich ein Autor an diese heikle Thematik rantraute! Aber wer weiss, vielleicht hat genau das sein Leben schwer gemacht. Über sein Tod wird ja heute noch spekuliert.

Ich bin zweigeteilt. Einerseits ist es doch mein Lieblingsautor und mir hat bis jetzt wirklich jedes seiner Bücher gefallen. Vielleicht ist es auch die Melancholie, die mitschwingt. Es wird einem bewusst, dass in diesem Leben nie wieder ein Buch veröffentlicht wird, das wenigstens ein selbstgeschriebenes Wort seinerseits enthält.

In Todesmelodie wird zudem der Täter von Mörderische Tage genannt. Auch weitere Täter von früheren Werken werden namentlich erwähnt, was ich einfach so schade fand und daraus auch schlussforlgerte, dass Franz vielleicht mit Durant aufhören wollte. Mörderische Tage ist ein Hammerexemplar und es hat mir wirklich den Boden unter den Füssen weggerissen. Lange wusste ich nicht, wer der wahre Täter war.

Ich vergleiche es hier gerne mit Jo Nesbø und seinem letzten Werk Leopard. Da wurde auch über den Schneemann berichtet, dessen Name wurde jedoch nie genannt. Es hat mich dazu gebracht, mir dieses Buch leisten zu wollen, weil es mich so glustig darauf machte.

Da ich Mörderische Tage zu einem wirklichen Topwerk zähle, fand ich es mehr als schade, dass er da den wahren Mörder in Todesmelodie mehrere Male erwähnt hat. Klar, es ist wichtig, um aus Durant schlau zu werden (Verhalten, Gedanken etc.), aber man hätte da nicht unbedingt den vollen Namen nennen müssen.

Fakt ist: ich fand Todesmelodie im Grossen und Ganzen ein gelungenes Werk, beendet bzw. vollbracht durch einen zweiten Autor. Wahrlich keine einfache Aufgabe, die er da übernommen hat. Franz ist und bleibt einzigartig. Ich bin froh, habe ich mir dieses Buch geleistet.

Denn alles war dabei: Spannung, intensive Gespräche und tiefe Abgründe der heutigen ach so tollen und schnöden Gesellschaft.

Andreas Franz ist und bleibt der beste Autor für mich.

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