Freitag, 9. August 2013

(unerwünschte) entschuldigung

Dieser Titel klingt wirklich hart, aber ich weiss einfach nicht, wie ich diesen ansonsten benennen soll. Es ist immer gut, wenn man eine Entschuldigung erhält. Und ich weiss nicht, wie ich es beschreiben soll, ohne, dass es „meckernd“ klingt.
 
Es gibt berechtigte Entschuldigungen. Und kennt ihr das Gefühl, dass es doch Entschuldigungen gibt, die man eigentlich nicht hören möchte bzw. die einfach wieder alles von Neuem losrollen? Es ist dann einfacher, man hätte die Entschuldigung nie gehört und kann in seinem Groll schon schier „versauern“; als dass die Entschuldigung dann das bewirkt, was sie bewirken soll: Akzeptanz und das Gefühl, das man ernst und wahr genommen wird. Es besänftigt.
 
Alles der Reihe nach. Es ist auch schon wieder eine Weile her, aber letzte Woche ist ja nicht wirklich so gelaufen, wie sie hätte sollen. Dienstags wurde eine Unternehmung von allen Seiten aus abgesagt und mittwochs fand ein Sportanlass statt, von dem ich nichts wusste. Beide Male hat natürlich der gewisse MItarbeiter eine grosse Rolle gespielt bzw. ich weiss immer noch nicht, warum es mich gerade von ihm so enttäuscht hat bzw. ich wusste ja auch nicht wirklich, wie mich da verhalten.
 
Klar, gerne hätte ich meinen Groll ein wenig Luft gelassen, aber ich bin da nicht diejenige, welche Personen anspricht à la „ich hatte einen Aufwand“ und blablabla. Ich wusste ja bereits dienstags vom Anlass am Mittwochabend und habe mich nicht gross anders verhalten. War vielleicht ein wenig ruhiger wie sonst, aber ganz normal. Donnerstag war ja ein Feiertag und somit sahen wir uns erst wieder am Freitag.
 
Nicht ganz – die Pause fand ohne ihn statt und am Mittag hatte ich nicht wirklich gross Lust auf Gesellschaft. Ich ass auswärts.
 
Der Nachmittag nahm seinen Lauf (ich war ganz allein), als er plötzlich im Büro stand und meinte „ganz alleine heute?“. Ich bejahte und nahm ein Dokument von ihm entgegen, welches eigentlich für meine stellvertretende Vorgesetzte gedacht gewesen war. Naja, im Nachhinein machte es mich natürlich stutzig, denn wir führen eine Abwesenheitsliste, er war ebenfalls allein im Büro gewesen (hatte die Tür offen gehabt und man hört in unserem Haus fast alles… teilweise grauenhaft) und joa, es muss ihm irgendwie bewusst gewesen sein. Zudem war das Dokument in einem „internen“ Couvert verpackt und joa, es ist ungewohnt, dass er deswegen in unser Büro kommt.
 
Nicht falsch verstehen. Das klingt schon fast so, als würde ich hier meckern, es ist aber nicht so! Es ist eine Analyse und eine Verarbeitung meiner Gedanken. Aber es kann natürlich auch einfach total normal und bedeutungslos sein und ich mache mir wegen Missverständnissen einen riesen Kopf. Und doch, so wie ich ihn einschätze, denkt er teilweise doch weiter, als nur bis zu seinen Schuhspitzen. Manchmal scheint er sich irgendwo zu verlieren, aber ich hatte schon das Gefühl, dass ihm wichtig war, dass wir noch vor seinen Ferien ein Gespräch führen. Und so war es dann auch: er schnappte sich einen Stuhl, setzte sich hin und begann locker vom Hocker zu plaudern. Erzählte von seinen Ferienplanungen und obwohl ich mir vorgenommen hatte, nicht darauf einzugehen, konnte ich es dann doch nicht sein lassen. Ich bin nicht so. Ich kann das nicht. Ich interessiere mich für meine Mitmenschen und wirklich hart gegenüber jemanden zu sein (ohne genau zu wissen, was jetzt los war), schaffe ich einfach nicht. Klar, man kann es sich übel mit mir verscherzen, aber irgendwie blies ich da letzte Woche alles in den Wind.
 
Klar, ich war wahrscheinlich doch immer noch reservierter und etwas ruhiger, wie sonst, aber war auch erstaunt, dass er einfach von sich aus erzählte. Eine Lehrtochter kam dazu und doch hatte ich das Gefühl, als wollte er noch etwas loswerden.
 
Er erklärte die kurzfristige Absage am Dienstag. Sie klang für mich nachvollziehbar, wobei ich bis heute nicht weiss, warum er nicht einfach ein SMS schreiben hat können. Er hat meine Nummer und die einte Mitarbeiterin erfährt in den Ferien von einem Sportanlass und ich nicht einmal über von einer Absage. Wobei ich nicht ganz klar sagen kann, wer genau diese Mitarbeiterin darüber informiert hat. Aber sachte, sachte, es hat sich schlussendlich doch irgendwie alles aufgelöst. So, wie ich von der Situation ausgegangen bin. Früher oder später klären sich die meisten Dinge.
 
Ein weiterer Mitarbeiter stand plötzlich in der Tür und verlangte nach dem gewissen Mitarbeiter (jemand musste mit Fragen zu ihm…). Dieser entgegnete, dass er gleich kommen würde. Auch da schien es noch so, als hätte er etwas auf dem Herzen. Er warf die Frage in die Runde, wie unser Anlass am Dienstag gewesen wäre und wir zwei Frauen blickten gleich irritiert hoch bzw. mir erschien es so, als war die andere Mitarbeiterin wirklich irritiert. Ich meinte nur zu ihm, dass lediglich wir zwei Frauen definitiv Zeit gehabt hätten und es nur kompliziert geworden wäre.
 
Und da konnte ich  meinen Satz einbringen, dass es halt doch irgendwie doof gewesen war, hatte ich alles bereits am Montag organisiert und eingekauft. Seine Entschuldigung erschien mir da wirklich aufrichtig und er betonte ein paar Mal, dass dies ja nur aufgeschoben und nicht aufgehoben sei. Naja, ich bin nicht so begeistert auf den Zug aufgesprungen, habe mich eher reserviert gegeben. Ich werde es auch nicht mehr von mir ansprechen.
 
Der oben genannte Mitarbeiter erschien erneut und verlangte wiederum den gewissen Mitarbeiter, welche nur nickte und meinte, er käme ja schon. Und auch da hatte ich das Gefühl, als läge ihm noch mehr auf dem Herzen. Ich wünschte ihm schlussendlich doch eine angenehme Ferienzeit und joa, so verabschiedeten wir uns.
 
Es hat mich wirklich gefreut, konnten wir ein normales Gespräch führen. Und doch sass ich schlussendlich da und dachte mir so: „War dies gerade eine Entschuldigung? Eine der indirekten Art?“ Und joa, so fühlte es sich an. Ich fühlte mich irgendwie ruhig und „besänftigt“, obwohl ich gut damit im Verlauf des Feiertages davor abschliessen konnte. Ich war nicht wütend, eher enttäuscht und diese Entschuldigung führte dazu, dass ich mich ernst und wahrgenommen fühlte. Zufrieden. Und irgendwie auch „gestreichelt“ in der Seele.
 
Und da kam dann plötzlich der zweite Gedanke, dass er dies doch nicht hätte tun sollen. Ich weiss, ich weiss, total absurd! Und ich kann es echt nicht haben, denn wer mich kennt, weiss, dass ich dies nicht bewusst mache. Und es ist wirklich unlogisch, aber es fühlte sich so an, als würde ich mich wieder „erwärmen“ und würde mein Härte schwinden. Ich war soweit, diese Grübeleien mit ihm einfach sein zu lassen. Es als einfache Freundschaft bzw. Kollegschaft (vielleicht nicht einmal das, vielleicht einfach eine Grundsympathie) zwischen zwei Mitarbeitern anzusehen... und dann das!
 
Klar war es eine komische Situation. Und klar begann ich darüber zu grübeln. Und klar lief es mir das ganze Wochenende über nach. Und klar habe ich mich niemandem – abgesehen von meiner Therapeutin – anvertraut.
 
Jetzt im Nachhinein bin ich froh, hat es sich letzte Woche so abgespielt. Ich kenne mich zu gut und ich denke, es hätte mir doch eher zu schaffen gemacht, wenn nichts gekommen wäre bzw. wir nicht miteinander gesprochen hätten.
 
Mir bleibt nichts weiter, als – wie bisher – abwarten und beobachten.
 
Auf mich zukommen lassen. PS: die Sache mit dem Anlass hat sich dann auch noch im Verlauf dieser Woche aufgelöst. Die eine Mitarbeiter hat gemeint, dass sie ihn doch darauf angesprochen hätte, weil sie nicht wollte, dass ich mich ausgeschlossen fühlen würde bzw. davon ausgehen würde, dass man mich nicht dabei haben wolle. Er hätte dann doch entrüstet entgegnet, dass dies nicht der Fall gewesen sei, sondern er einfach davon ausgegangen ist, weil ich mich in der Teilnehmerliste wegen meiner Verletzung ausgetragen habe. Im Nachhinein glaube ich fast zu wissen, dass er dies am Freitag noch gerne erwähnt hätte, aber nicht konnte, weil ja jemand auf ihn gewartet hatte... Naja, ich habe oft genug erwähnt, dass ich schon gerne zuschaue, aber vielleicht hat er es nie wirklich mitbekommen. Immerhin hat er es erfahren und hat auch erklärt, warum es untergegangen ist. Selbst, wenn er es nicht mir persönlich gegenüber gesagt hat.
 
Und einfach die tolle Zeit geniessen. Vor allem, dass ich gute Laune habe, obwohl es die letzten zwei Wochen nicht einfach war. Ich habe das Gefühl, dass ich immer besser werde in Sachen Therapie und das, was um mich herum passiert. Zuerst der Schaden am Auto, dann die letzte Woche mit den Missverständnissen… Vor ein paar Monaten wäre ich total im Selbstmitleid zerflossen. Und ich finde, ich habe es die letzten Tage echt gut geschafft. Keine Suizidgedanken, keine Selbstzweifel. Ich habe es versucht zu akzeptieren. Habe es angenommen, wie es war. Habe richtig gehandelt und joa, abgesehen vom Kaufrückfall bin ich eigentlich stolz auf mich.
 
Und schon nur der Gedanke zulassen, dass ich stolz auf mich bin, zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
 
Hach, fühlt sich schön an :-).

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